Komponieren und Konstruieren

Ich habe diesen interessanten Artikel übers Komponieren bei Kunstproduktion gefunden (generell super Blog!).

Ich teile die Ansicht dass „Inspiration“ ein relativ unbrauchbarer Begriff ist weil er nicht gut festzumachen ist. Woher kommen die Ideen? Ich würde sagen: Am ehesten aus dem was man schon kennt, letztlich aus den Bechränkungen die einem_r auferliegen. Was meine ich damit?

In Bezug auf die Musik ist die Grundsätzliche  Beschränkung das westliche Tonsystem und die Rhythmik. Die kann man natürlich auch ausschalten durch freie Rhythmik und microtonalität, mit slidegitarre, bundlosen instrumenten oder nmicht temperierten synthesizer-Controllern usw. Also „experimentelle Musik“. An der Stelle wird es aber nicht interessanter sondern (soziologisch) uninteressanter. Nicht weil experimentelle Musik schlechter wäre, sondern weil jenseits der regulierten Zeichensprache (auch Musik ist so eine) nur die Regel gilt, dass man die bisherigen Regeln nicht anwendet. Das ist damit eigentlich schon ganz gut geklärt.

Kenntnisse über Harmonielehre und Musiktheorie sind nicht nötig, manchmal hiflfreich, manchmal schädlich. Schädlich, wenn man die Theorie als Vorschrift missversteht: „ich bin in C-Dur in dem Song dürfen keine schwarzen Tasten vorkommen!“ (ich spreche aus Erfahrung).

Die Beschränkung die im Ursprungsartikel nicht vor-, und die mir sofort in den Sinn kommt, ist die körperliche. Wenn ich ein Instrument spiele ist das zu allererst eine körperliche Praxis, eine Anwendung eingeübter Handgriffe, Fußbewegungen (wahwahwah) usw. Darin drückt sich eine Unmittelbarkeit aus, die einen immer auch auf eine bestimmte Bahn lenkt. Den vierten Ton in einem Gitarrensolo ziehe ich. Das ist so. ich muss schon sehr drauf achten, wenn ich das vermeiden will.  Vielleicht liegt‘s daran dass meine instrumentalen Fähigkeiten beschränkt sind. Ich kann nicht alles spielen was mir vielleicht einfallen würde.

Jeder Inspiration folgt Konstruktion. Wenn ich eine Melodie habe wähle ich Akkorde aus, das können ganz unterschiedliche sein, nur:

  1. die Zahl der möglichen Akkorde ist beschränkt. Wer länger dabei ist weiß, bestimmte wiederholen sich oft weil man weiß welche Funktion sie erfüllen. Dann probiere ich verschiedene Varianten aus und entscheide mich für eine. Das ist mehr wie die richtigen Worte für einen Sachtext auswählen als ein Gedicht schreiben.
  2. die Entscheidung „es braucht eine Akkordfolge“ ist selbst ein Konstruktionsprinzip, auch wenn man es für eine Selbstverständlichkeit hält.

Die Prinzipien meiner musikalischen Konstruktion sind vorgegeben durch die Genres in denen ich mich bewege. Wenn die Musik eine (ziemlich uneindeutige) Sprache ist, sind Genres die Dialekte. Welche Dialekte beherrsche ich? Das hängt davon ab wo ich herkomme und – in der Musik – welche  Mittel ich zur Verfügung hab. Allein im Heimstudio entsteht schwerlich authentischer Meddl, loide! allein schon weil man kein Drumkit da hat und Drumcomputer ersetzen einfach kein echtes Schlagzeug, sie  sind kein Ersatzinstrument sondern Instrumente eigener Gattung. Macht man halt Elektro oder sowas.

Das „konstruieren“ von Musik ist eher ein intellektuelles als ein emotionales Prozedere (ich spreche nur für mich). Zufälle helfen, ein wenig aus den eingefahrenen Routinen auszubrechen. Zum Konstruieren von Musik gehört nicht nur die Aneinanderreihung von Tönen sondern auch die Konstruktion von Klängen. Also ausprobieren was passiert wenn man die ganzen Knöpfe an Synthesizern, Verstärkern, Effekten usw. dreht. Auch: welches Kabel geht von wo nach wo? Beispiel: Einen Drumbeat als midi-noten einfach mal auf einen Piano-Sound gelegt und durch einen Tonarten-Filter gejagt (damit es nicht zu schräg klingt) und du hast die Basis für ein „tightes“ Riff. Dass mir dieses Verfahren eingefallen ist kann man vielleicht unter „Inspiration“ subsumieren. Aber jetzt ist es ein Verfahrens-Wissen das immer wieder mal zur Anwendung kommt.

Anders gesagt: wenn Komponieren/produzieren/musikmachen in erster linie eine unerklärliche, transzendente Angelegenheit von Inspiration wäre, dann könnte man nicht so viele Bücher drüber schreiben usw.

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Thomas De Maiziere will dass Du das richtige denkst

Über de Maizieres „Leitkultur“-Artikel ist viel geredet worden aber eine Sache fällt mir auf, die wurde noch nicht gesagt (glaub ich). TdM  schreibt:

„Unser Land hatte viele Zä­su­ren zu be­wäl­ti­gen. Ei­ni­ge davon waren mit Grund­ent­schei­dun­gen ver­bun­den. Eine der wich­tigs­ten lau­tet: Wir sind Teil des Wes­tens. Kul­tu­rell, geis­tig und po­li­tisch. Die Nato schützt un­se­re Frei­heit. Sie ver­bin­det uns mit den USA, un­se­rem wich­tigs­ten au­ßer­eu­ro­päi­schen Freund und Part­ner.“

 

Jetzt muss man  verstehen: Wenn man Innenminister ist dann spielt die Nato im Alltag wahrscheinlich eine gewisse Rolle. Allen anderen ist sie aber per se erstmal egal. Warum also soll man sich überhaupt dazu oder dagegen bekennen? Ist doch komisch: Meine Haltung zur Nato oder EU oder anderen supranationalen Machtkonstrukten spielt genau  überhaupt keine Rolle. Ich kann so sehr dagegen sein wie ich will, ich muss deren Faktizität akzeptieren. Umgekehrt existieren solche Konstruktionen nicht deshalb weil irgendwelche Moralist_innen sie für „gut“ halten.

 

Derzeit kann man immer noch kleine Gedanken lesen (Stand: 03.05.2017). Was ich, irgendwelche syrischen, marokkanischen oder afghanischen Refugees oder sonstwer sich zur Nato denken kann TdM also unmöglich wissen. Man kann was dazu sagen. Wenn ein Alteingesessener sagt: „Nato find ich gut“ kann man das glauben. Warum sollte er da lügen? Er kann nicht abgeschoben werden und es gibt kein Gesetz dagegen, die Nato scheisse zu finden. Eine Karriere bei einer großen Zeitung wird er nicht mehr machen können aber das wars auch schon an Konsequenzen.

Was wenn ein „Fremder“ sagt: NATO find ich gut? Vielleicht sagt er das nur weil er sonst Ärger kriegt mit den Schergen des Integrationsapparates? Um sich Ärger zu ersparen? Vielleicht hat er TdMs Artikel gelesen und hält den Ball lieber flach! Wer weiß!

Das ist der Rassismus in der ganzen Integrations/Leitkultur-Geschichte: Es werden je nach Herkunft unterschiedliche Leistungen (und Gedanken) eingefordert. Und da man die innerste Gesinnung ja sowieso nie überprüfen kann, bleibt „der Fremde“ immer verdächtig. Isst er Schweineschnitzel? Vielleicht nur um uns hinters Licht zu führen, Vielleicht schmeckt’s ihm gar nicht!

Und falls man doch mal Gedanken lesen kann – auch kein Problem:

„Grundgesetz regelt zuerst einmal d Verhältnis d Staates zu Bürgern. Zu Zusammenhalt, Identität u Gemeinschaft gehört aber mehr. #leitkultur“  (Jens Spahn, cdu)

https://twitter.com/jensspahn/status/859677207245017088

Weil man „Identität, Gemeinschaft, Zusammenhalt“ eh nicht formalisieren will und kann, kann man jederzeit die die man als „fremd“ labelt unter Verdacht stellen, nicht der Vorstelllungen von Leitkultur zu entsprechen die man sich gerade denkt.

Dabei tritt die grandiose Verwechslung von Ursache und Wirkung bei solchen Aussagen  geradezu grotesk deutlich zutage: Man hat Behälter wie „Eigen“ und „Fremd“ und versucht geradezu Zwanghaft sie mit Inhalt zu füllen. Die ganzen Parodien darüber, was Leute mit deutschen Pässen weniger glanzvolles fabrizieren, legen Zeugnis davon ab.

Handgeben und Name sagen, das soll das „eigene“ sein? Da gab‘s schon originellere Abgrenzungsfans.  Will sagen: nicht der Inhalt macht die Unterscheidung eigen/fremd. Sondern die Unterscheidung eigen/fremd sucht sich Inhalte als Rechtfertigung. Und tut sich überraschend schwer dabei – ohne dass das ihre Popularität mindern würde.

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ich esse maschinen by thegurkenkaiser

muzique olé!

wer elektronisches mag sollte hier dringend mal ein paar euros draufwerfen …

(via, bandcamp)

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Lebensweisheit: Begeisterung auf realistisches Maß einbremsen

Manchmal sieht man so Stellenausschreibungen: „sind Sie mit Begeisterung dabei? Brennen Sie für ihre Sache? Wollen sie alles Erreichen auf Ihrem Gebiet?“ usw. Ich denke mir manchmal das Szenario aus was ich in einem Bewerbungsgespräch bei so einem Laden sagen würde:
„Wer für die Sache brennt, brennt aus. Wenn Leute Ihre Identität über eine einzige Sache, noch dazu den Job definieren sind Panik und Depression vorprogrammiert sobald es mal nicht so gut läuft. Und schlechte Phasen, Rückschläge, Enttäuschungen kommen auf jeden Fall, ganz egal wie sehr sich jemand „der Sache“ hingibt und egal wie gut diejenige Person in ihrem Bereich ist. Darauf hat man keinen Einfluss. Da ist es doch besser Leute einzustellen die mit der nötigen Distanz und einer realistischen Sichtweise ans Werk gehen und sich nicht persönlich damit identifizieren.“

Andererseits: warum soll ich mir Gedanken über die Personalentscheidungen irgendwelcher Quatschunternehmen machen?

Mein Tipp für Euer Leben: Kommt nicht auf den Trichter „XY ist mein Leben“. Ich mag ja Musik sehr gern aber zu sagen (und zu meinen!): „Musik ist alles für mich“ das wäre sehr ungesund.

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Mikrofitness

 Klar kennt man die üblichen Sachen wie „Treppe nehmen statt Aufzug“. Ist aber langweilig. Da geht noch mehr. Man kann sehr weit ins Detail gehen und die alltäglichen Abläufe fitnessiger gestalten. Ich nenne es „Mikrofitness“. Ein paar Vorschläge:
– Immer Einkaufswagen aus der kürzesten Reihe nehmen, also so, dass man ein paar Schritte mehr gehen muss
– (Für Fortgeschrittene): In einem unbekannten Geschäft ohne Einkaufszettel = epischer rundlauf
– Sachen die man oft braucht sehr weit oben verstauen – dann muss man sich mehr strecken. Außerdem: Die Arme höher heben verbraucht mehr Energie als sie nicht so hoch zu heben. Überhaupt: Wer den Energieerhaltungssatz kennt weiß alless über Fitness (und Gott). Es geht drum, den Alltag Energieineffizient zu gestalten.
– Wenn man aus dem Bürosessel aufsteht um aufs Klo zu gehen in auf der Seite verlassen die weiter weg ist vom Zielort.
– „echte“ Fitnessübungen kann man auch noch optimieren: Falsch ausgeführte Übungen sind oft anstrengender und verbrauchen somit mehr „Broteinheiten“ als korrekt ausgeführte.
– Wenns wehtut verbraucht’s Kalorien!
– Ein schlecht geöltes Fahrrad ist Dein Freund
– Früh morgens anfangen: Auf die der Tür abgewandte Seite aus dem Bett rollen = 3-4 Schritte mehr gehen.
– Beim Essen kleine Mengen auf dass Essenstransportinstrument der Wahl schaufeln, dann muss man häufiger hin und her. Andererseits ist dann weniger Gewicht drauf. Also ideal: Vollschaufeln – zum Mund führen – die hälfte fallen lassen – mampf – wiederholen. Mund weit auf und zu = mehr zurückgelegter weg = win!
Bitte ergänzen. Es gibt so viel was man tun oder absichtlich falsch machen kann, damit es anstrengender wird!
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Kritik des Antiklassismus

Anmerkung: ich habe erst geschrieben, dass Clara Rosa die Autorin des verlinkten Podcasts ist. Ich glaub da hab ich was nicht richtig verstanden. Sie hat ihn nur empfohlen.)

Heut hab ich mich wirklich geärgert über einen „Antiklassismus“ Podcast (https://cba.fro.at/58490 9:15). Da wurde gesagt dass Uni-Absolvent_innen erfüllende tolle Jobs kriegen und Arbeiter_innen nicht.(1) Als arbeitsloser Akademiker mit Arbeitserfahrung an der Uni kann ich nur sagen: Das ist einfach falsch. Aber da weder persönliche Betroffenheit noch Wut der Argumentation dienen hab ich ein paar Argumente in der Sache. Ich beobachte dieses Antiklassismus-Zeug schon eine Weile im Internet (gibt’s ja nur da) und mach mir immer wieder Gedanken. Kurz: „Antiklassismus“ importiert liberale Ideologien über Klassenverhältnisse in die linke. Die Schwäche des Textes ist natürlich dass ich nicht alle Kritikpunkte an Zitaten belege. Weil zu faul. Geht um den Gesamteindruck.

  1. Zunächst eine sprachliche Bemerkung. Wer von Antiklassismus redet, redet schon mal nicht von Antikapitalismus. Also die Vorstellung dass das Klassensystem gegenwärtiger Gesellschaften was mit Kapitalismus zu tun hat steht schon mal nicht im Vordergrund. Eher scheint man sich Klassen als eine Diskriminierungsform analog zu Rassismus oder Sexismus zu denken. Da haben wir auch schon das erste große Problem. Während im Rassismus ein vorhandenes Merkmal wie Hautfarbe genommen wird und zum moralischen Unterscheidungsgrund erklärt wird, ist die Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse an sich schon ein objektiver Nachteil. Das muss man nicht erst dazu erklären. Das Problem der Arbeiterklasse ist ja nicht irgendeine Ideologie, die ihnen sagt „ihr seid Mist“, sondern ihr Leben ist wirklich Mist. Der Mechanismus der der Arbeiterklasse schadet ist nicht „Klassismus“ sondern Kapitalismus. Keine Ideologie schadet der Arbeiterklasse, sondern die simple Tatsache, als Arbeiter_in existieren zu müssen. Ich hoffe ihr versteht den Unterschied. Er ist entscheidend.

Es gibt natürlich Ideologien zur Arbeiter_innenklasse. Die haben aber nicht die Funktion der Arbeiterklasse zu schaden, sondern ihr den Schaden so beizubiegen, dass sie ihn nicht als Anlass für Widerstand nehmen.

z.B.

– Arbeiterdasein ist nicht so schlecht – schaut nur mal nach Afrika. Ihr habt es eh gut. Und Reichtum macht auch nicht glücklich.

– oder: „Arbeiterinnendasein ist wirklich hart aber ihr seid die Helden die das Land am Laufen halten. Ihr bringt notwendige Opfer und anders geht’s leider nicht. Aber langsam wird’s auch für euch besser, ihr müsst nur noch mehr ranklotzen“ (Letzteres hat’s bis in die Wirtschaftswissenschaften als „trickle-down effect“ geschafft – die Entschuldigungstheorie des Kapitalismus).

– oder: „Arbeiterinnendasein ist wirklich hart aber daran sind die Ausländer/ das Ausland/ die linken/Juden/Moslems/ die Partei die den Kündigungsschutz nicht lockern will und dadurch das Wachstum hemmt schuld.“**

Aber eine Ideologie die besagt_  „das Arbeiter_innenleben ist Mist“ gibt’s nicht. Das wär ja die Wahrheit.

 

2. Der verwendete Klassenbegriff ist spalterisch und unsinnig.

Der verwende Klassenbegriff ist vor allem mal schwammig. Mal ist die „Mittelklasse“* über den Bildungsabschluss definiert, dann übers Einkommen, dann über die Art des Berufs (Was aber für diese Leute wie wir bei Clara Rosa gesehen haben, auch einfach zusammenfällt). Das ist spalterisch. Jetzt geht’s gar nicht mehr um Ausbeutungsverhältnisse sondern diejenigen die in der Lohnarbeitshierarchie weiter unten stehen sind sauer auf die, die etwas höher stehen, weil die auf sie angeblich herabblicken. Konsequent ist das nicht. Der oben genannte Podcast prangert an dass sich „Mittelklasse“ Leute Arbeiter_innenjobs holen nur damit anzugeben. Erstmal finde ich dieses Szenario reichlich weltfremd. Es widerspricht aber auch den eigenen Annahmen: ENTWEDER wird die Arbeiterklasse runtergemacht und diffamiert ODER ich kann mit einem Arbeiterklasse-Job angeben.

Falsch ist es so oder so. Klar gibt’s eine Hierarchie innerhalb der Ausgebeuteten. Aber das ist doch nicht das Werk derer die etwas mehr verdienen/ Uniabschluss haben (was auch immer). Auch höhergestellte Angestellt arbeiten doch für den Profit des Unternehmens

 

3. Doppeltes lean in

Was die Antiklassist_innnen von der Arbeiterklasse (also was sie drunter verstehen) einfordern ist ziemlich viel. Man will einen fairen Wettbewerb in der Kapitalistischen Konkurrenz der Arbeitskraftanbieter_innen (vulgo: Arbeiterklasse), da muss man sich also schon reinhängen. Aber es gibt ja noch keine Chancengleichheit innerhalb der Lohnsklaven (das stimmt ja wirklich!) Also sollen sie die durch ihren Kampf auch noch herstellen. Wenn das bewerkstelligt ist kann man durch Einsatz auf dem Arbeitsmarkt vielleicht einen der begehrten „erfüllenden“ Berufe kriegen. Falls jemand aus der authentischen Arbeiter_innenklasse mitliest: Klingt für mich nach viel Arbeit und wenig Ertrag. Das habt ihr jetzt schon. Ach so? das wußtet ihr schon? Ok.

Also ich kann von mir sagen dass ein Fairer-Chancen-Kapitalismus für mich nicht so toll klingt da ich Zweifel habe ob ich für die kapitalistische Verwertung allzu brauchbar bin. Chancengleichheit klingt für mich wie eine Drohung.

Was ist das für 1 Ziel? Dass andere unter der Brücke schlafen müssen als die. Die es jetzt müssen? Dass diejenigen die dann betroffen sind es aber wenigstens wirklich verdient haben – was dann auch alle wissen? Grausam ist das.

Übrigens: auch Grausam ist es Leuten zu empfehlen sich anzustrengen um sich in der Konkurrenz durchzusetzen. Denn das ist ja nur die andere Seite der Brücken-Sache.

(1) Es handelt sich hier soweiti ch das verstehe um die Lesung aus einem Buch nicht um Aussagen die von CL selbst stammen. Nur der Vollständigkeit halber.

*In der amtlichen Statistik in Deutschland ist „Miittelschicht“ alles oberhalb der Armutsgrenze. Also auch nicht automatisch so toll, bzw. „priviligiert“.

**Wer das nicht logisch findet soll das nicht mir anlasten sondern denen die sowas verbreiten. Ideologien sind nicht dazu gedacht, sie logisch zuende zu denken, sonst findet man womöglich ihren widerspruch.

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Über die bürgerliche Kritik am Aufstieg der „Neuen Rechten“

Die „Liberal-Konservative“ (Selbstbeschreibung) Publizistin Liane Bednarz nutzt die Kritik an der AfD und anderen rechten Bewegungen als Ideologie für die gute alte liebenswerte Bundesrepublik (das ist die These hier) . Gegen diese Rechten Umtriebe sind wir doch irgendwie alle, klingt jedenfalls ganz sympathisch. Schauen wir uns mal ein paar Zitate an:

 

„Als 1989 die lang ersehnte Zeitenwende eintrat und die sozialistischen Diktaturen des Ostblocks zusammenbrachen, schien die Zeit autoritärer Regime in Europa endgültig vorbei zu sein. …. Wenige Jahre später wurden Ungarn, Polen und Tschechien Mitglieder der Europäischen Union und prosperierten auch wirtschaftlich.“

 

Und andere prosperierten so gar nicht. So ist das im kapitalistischen Konkurrenzkampf: es gibt notwendig Verlierer_innen. Auf individueller wie staatlicher Ebene.

 

„Inzwischen hat die Wertschätzung für liberale Staatsformen in Osteuropa rapide abgenommen.“

Bednarz begründet das nicht aber das darf eine_n nicht wundern. Siehe oben. Stichwort: Verlieren. Die liberale Ideologie sagt den Verlierer_innen ja: „Selber schuld du hattest gleiche Chancen. Wenigstens bist du FREI!“ Darauf reinzufallen ist ganz genauso verkehrt wie sich den rechten anzuschließen.

 

Wir lernen dass Orban und andere eine „illiberale Demokratie“ wollen. Dazu Bednarz:

 

„Mit dem aufklärerischen, pluralistischen und Minderheitenrechte schützenden Verständnis von Demokratie ist eine „illiberale Demokratie“ selbstverständlich unvereinbar.“ Und „So warnte bereits John Stuart Mill im Jahr 1859 in seinem Buch On Liberty vor einer „Tyrannei der Mehrheit“ und betonte, dass etwa die Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit unveräußerlich seien und auch nicht durch Mehrheitsbeschlüsse abgeschafft werden könnten.“

Was dieser Mr. Mill irgendwie nicht mitgekriegt hat war, dass solche Rechte ja vom Staat erlassene Rechte gegen die eigene Macht sind. Klingt nicht so vertrauenswürdig? Ist es auch nicht. Wie man an den von Bednarz selbst genannten Beispielen nur zu gut sieht. Was bleibt dann von Mills Ansichten? Eine moralische Bitte an die Obrigkeiten, die Selbstbeschränkungen einzuhalten. Die Empörung wenn Leute merken: „Der Staat handelt ja gar nicht zweckmäßig (höchstens ab und zu zufällig, als Nebenprodukt) in meinem Interesse! Das soll er doch bitte wieder tun!“

Und zum gelobten „Minderheitenschutz“ gehört dazu, dass der Staat da die Minderheiten schützt, die er selber erzeugt hat. Warum gibt’s beispielsweise auf einem Staatsgebiet „ethnische Minderheiten“?  – weil der Staat sein Volk ethnisch definiert.

 

Es geht weiter. Die „Neuen Rechten“ sind keine Nazis, haben aber trotzdem ganz schöne Schweinereien im Gepäck:

„In Äußerungen wie diesen zeigt sich das völkische Element der Bewegung, das auf der Idee des „Ethnopluralismus“ fußt. Was beim ersten Hören nach „Diversity“ und „Multikulti“ klingt, ist in Wahrheit das glatte Gegenteil davon. Denn der „Ethnopluralismus“ zielt darauf ab, dass jedes Volk und jede Rasse – die Szene vermeidet den Begriff „Rasse“ allerdings oft und spricht, weil das harmloser klingt, lieber von „Kultur“ – so homogen wie möglich sein und bleiben soll. Anders als bei Neonazis üblich, werden Herkunftsdeutsche also nicht als überlegen angesehen, aber sie sollen sich möglichst nicht mit anderen „Kulturen“ vermischen. Aus diesem Konzept heraus erklären sich die ausgeprägten Ressentiments der neurechten Kreise gegenüber Flüchtlingen und Migranten.“

Okay Ethnopluralismus, der sagt: die sollen möglichst dort bleiben und wir hier. Das wirklich abstoßend. Jetzt eine Frage: Warum haben Staaten Grenzen? Warum gibt es Einwanderungsgesetze und Asylrecht, die eine kleine Gruppe auserwählen die „reindürfen“ und andere nicht? Rhetorische Frage aber ich gebe die Antwort trotzdem selber: Weil man eigentlich nicht will dass Bevölkerungen verschiedener Staaten sich austauschen. Wo ist der grundlegende Unterschied zum zu Recht gescholtenen „Ethnopluralismus“?  Warum ist es allen in der EU so wichtig „Fluchtursachen zu bekämpfen“? doch wohl weil die „Flüchtlingsströme“ nicht gewollt sind. Und sie sind deshalb nicht gewollt weil der Staat (derjenige den Bednarz so toll findet und verteidigt) sie als Problem ansieht nicht aus Mitleid mit den Geflüchteten (dass das ganz ehrlich bei einigen Staatsvertreter_innen dazukommt will ich nicht bestreiten aber der Grund für staatliches Handeln ist es nicht).

Warum hat das gelobte Einwanderungsgesetz von Kanada so ein Punktesystem? Weil man nicht alle da haben will, nur die nützlichen. Ja da ist ein Unterschied zu Ethnopluralist_innen: Die wollen gar keine Migration. Da sind die westlichen Industrienationen einfach materialistischer: eine gelenkte Auswahl an Immigration ist nötig. Aber der Grundsatz: „Die  dort – wir hier“ ist genau identisch.

 

Keine rhetorische Frage: gibt es denn einen nennenswerten Unterschied zwischen „Ethnopluralismus“ und dem normalen bürgerlichen Staatsbürgerschaftssystem, den ich übersehen habe?

 

Unter der Überschrift »Eigene Rasse« heisst jetzt »Eigene Kultur« erfahren wir was über die Herkunft der Neuen Rechten:

„Bei der Neuen Rechten handelt es sich um ein mehr oder weniger eng verbundenes Netzwerk von Personen, die im Gegensatz zur „Alten Rechten“ nicht an den Nationalsozialismus anknüpfen, sondern an die Ideen der „Konservativen Revolution“ aus der Zwischenkriegszeit. Deren wichtigste Vertreter hießen Carl Schmitt, Edgar Julius Jung (Hauptwerk: Die Herrschaft der Minderwertigen ) und Arthur Moeller van den Bruck (Hauptwerk: Das dritte Reich ). Die Bewegung war dezidiert anti-liberal, anti-pluralistisch, anti-egalitär und völkisch geprägt.“

Kommt uns das bekannt vor?

Anti-egalitär: Klar, die Staatsideologie der BRD und die liberale Ideologie schlechthin wollen immer gleiche Chancen, gleiche Rechte für alle Untertanen im allgemeinen Konkurrenzkampf des Kapitalismus. Dass die gar nicht hergestellt sind geben sie auch meistens zu aber wir sind doch auf einem guten Weg etc. Anti-egalitär ist das alles natürlich insofern als klar ist, dass es Gewinner_innen und Verlierer_innen im Konkurrenzkampf gibt, unweigerlich. Und wenn die Chancengleichheit erstmal voll hergestellt ist kann man mit vollem Recht auf die Verliererinnen zeigen und sagen: Da! Versager! Selber Schuld!

Völkisch geprägt: Sind Demokratien doch immer?

 

Dann geht’s noch weiter um persönliche Verbindungen zwischen ganz Rechts und AfD (sprechen die Inhalte und Äußerungen nicht für sich?), das ist nicht so interessant.  Dann: Verrohung der Sprache. Die „Mitte“ übernimmt jetzt dummerweise den Sprachgebrauch der Rechten.  Dazu kann ich sagen: Stimmt. Aber auch die formal-bürokratische Abschiebepraxis der BRD führt zu – nun ja – Abschiebungen. Gegen die hat aber eine staatstreue Publizistin wie Bednarz wahrscheinlich gar nichts, denn die gehen ja demokratisch-rechtsstaatlich korrekt vor sich und kommen ohne explizit geäußerte rassistische Ideologie und Beschimpfungen aus.

 

Und: Wenn die heilige bürgerliche Mitte diese Sprache übernimmt weil sie einfach zu ihren gar nicht veränderten Ansichten passt?

 

Fazit: Hier kämpfen zwei miteinander die sich ähnlicher sind als sie es zugeben wollen.

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