Lebensweisheit: Begeisterung auf realistisches Maß einbremsen

Manchmal sieht man so Stellenausschreibungen: „sind Sie mit Begeisterung dabei? Brennen Sie für ihre Sache? Wollen sie alles Erreichen auf Ihrem Gebiet?“ usw. Ich denke mir manchmal das Szenario aus was ich in einem Bewerbungsgespräch bei so einem Laden sagen würde:
„Wer für die Sache brennt, brennt aus. Wenn Leute Ihre Identität über eine einzige Sache, noch dazu den Job definieren sind Panik und Depression vorprogrammiert sobald es mal nicht so gut läuft. Und schlechte Phasen, Rückschläge, Enttäuschungen kommen auf jeden Fall, ganz egal wie sehr sich jemand „der Sache“ hingibt und egal wie gut diejenige Person in ihrem Bereich ist. Darauf hat man keinen Einfluss. Da ist es doch besser Leute einzustellen die mit der nötigen Distanz und einer realistischen Sichtweise ans Werk gehen und sich nicht persönlich damit identifizieren.“

Andererseits: warum soll ich mir Gedanken über die Personalentscheidungen irgendwelcher Quatschunternehmen machen?

Mein Tipp für Euer Leben: Kommt nicht auf den Trichter „XY ist mein Leben“. Ich mag ja Musik sehr gern aber zu sagen (und zu meinen!): „Musik ist alles für mich“ das wäre sehr ungesund.

Veröffentlicht unter Erzählungen, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Mikrofitness

 Klar kennt man die üblichen Sachen wie „Treppe nehmen statt Aufzug“. Ist aber langweilig. Da geht noch mehr. Man kann sehr weit ins Detail gehen und die alltäglichen Abläufe fitnessiger gestalten. Ich nenne es „Mikrofitness“. Ein paar Vorschläge:
– Immer Einkaufswagen aus der kürzesten Reihe nehmen, also so, dass man ein paar Schritte mehr gehen muss
– (Für Fortgeschrittene): In einem unbekannten Geschäft ohne Einkaufszettel = epischer rundlauf
– Sachen die man oft braucht sehr weit oben verstauen – dann muss man sich mehr strecken. Außerdem: Die Arme höher heben verbraucht mehr Energie als sie nicht so hoch zu heben. Überhaupt: Wer den Energieerhaltungssatz kennt weiß alless über Fitness (und Gott). Es geht drum, den Alltag Energieineffizient zu gestalten.
– Wenn man aus dem Bürosessel aufsteht um aufs Klo zu gehen in auf der Seite verlassen die weiter weg ist vom Zielort.
– „echte“ Fitnessübungen kann man auch noch optimieren: Falsch ausgeführte Übungen sind oft anstrengender und verbrauchen somit mehr „Broteinheiten“ als korrekt ausgeführte.
– Wenns wehtut verbraucht’s Kalorien!
– Ein schlecht geöltes Fahrrad ist Dein Freund
– Früh morgens anfangen: Auf die der Tür abgewandte Seite aus dem Bett rollen = 3-4 Schritte mehr gehen.
– Beim Essen kleine Mengen auf dass Essenstransportinstrument der Wahl schaufeln, dann muss man häufiger hin und her. Andererseits ist dann weniger Gewicht drauf. Also ideal: Vollschaufeln – zum Mund führen – die hälfte fallen lassen – mampf – wiederholen. Mund weit auf und zu = mehr zurückgelegter weg = win!
Bitte ergänzen. Es gibt so viel was man tun oder absichtlich falsch machen kann, damit es anstrengender wird!
Veröffentlicht unter Stahlbad, Uncategorized | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Kritik des Antiklassismus

Anmerkung: ich habe erst geschrieben, dass Clara Rosa die Autorin des verlinkten Podcasts ist. Ich glaub da hab ich was nicht richtig verstanden. Sie hat ihn nur empfohlen.)

Heut hab ich mich wirklich geärgert über einen „Antiklassismus“ Podcast (https://cba.fro.at/58490 9:15). Da wurde gesagt dass Uni-Absolvent_innen erfüllende tolle Jobs kriegen und Arbeiter_innen nicht.(1) Als arbeitsloser Akademiker mit Arbeitserfahrung an der Uni kann ich nur sagen: Das ist einfach falsch. Aber da weder persönliche Betroffenheit noch Wut der Argumentation dienen hab ich ein paar Argumente in der Sache. Ich beobachte dieses Antiklassismus-Zeug schon eine Weile im Internet (gibt’s ja nur da) und mach mir immer wieder Gedanken. Kurz: „Antiklassismus“ importiert liberale Ideologien über Klassenverhältnisse in die linke. Die Schwäche des Textes ist natürlich dass ich nicht alle Kritikpunkte an Zitaten belege. Weil zu faul. Geht um den Gesamteindruck.

  1. Zunächst eine sprachliche Bemerkung. Wer von Antiklassismus redet, redet schon mal nicht von Antikapitalismus. Also die Vorstellung dass das Klassensystem gegenwärtiger Gesellschaften was mit Kapitalismus zu tun hat steht schon mal nicht im Vordergrund. Eher scheint man sich Klassen als eine Diskriminierungsform analog zu Rassismus oder Sexismus zu denken. Da haben wir auch schon das erste große Problem. Während im Rassismus ein vorhandenes Merkmal wie Hautfarbe genommen wird und zum moralischen Unterscheidungsgrund erklärt wird, ist die Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse an sich schon ein objektiver Nachteil. Das muss man nicht erst dazu erklären. Das Problem der Arbeiterklasse ist ja nicht irgendeine Ideologie, die ihnen sagt „ihr seid Mist“, sondern ihr Leben ist wirklich Mist. Der Mechanismus der der Arbeiterklasse schadet ist nicht „Klassismus“ sondern Kapitalismus. Keine Ideologie schadet der Arbeiterklasse, sondern die simple Tatsache, als Arbeiter_in existieren zu müssen. Ich hoffe ihr versteht den Unterschied. Er ist entscheidend.

Es gibt natürlich Ideologien zur Arbeiter_innenklasse. Die haben aber nicht die Funktion der Arbeiterklasse zu schaden, sondern ihr den Schaden so beizubiegen, dass sie ihn nicht als Anlass für Widerstand nehmen.

z.B.

– Arbeiterdasein ist nicht so schlecht – schaut nur mal nach Afrika. Ihr habt es eh gut. Und Reichtum macht auch nicht glücklich.

– oder: „Arbeiterinnendasein ist wirklich hart aber ihr seid die Helden die das Land am Laufen halten. Ihr bringt notwendige Opfer und anders geht’s leider nicht. Aber langsam wird’s auch für euch besser, ihr müsst nur noch mehr ranklotzen“ (Letzteres hat’s bis in die Wirtschaftswissenschaften als „trickle-down effect“ geschafft – die Entschuldigungstheorie des Kapitalismus).

– oder: „Arbeiterinnendasein ist wirklich hart aber daran sind die Ausländer/ das Ausland/ die linken/Juden/Moslems/ die Partei die den Kündigungsschutz nicht lockern will und dadurch das Wachstum hemmt schuld.“**

Aber eine Ideologie die besagt_  „das Arbeiter_innenleben ist Mist“ gibt’s nicht. Das wär ja die Wahrheit.

 

2. Der verwendete Klassenbegriff ist spalterisch und unsinnig.

Der verwende Klassenbegriff ist vor allem mal schwammig. Mal ist die „Mittelklasse“* über den Bildungsabschluss definiert, dann übers Einkommen, dann über die Art des Berufs (Was aber für diese Leute wie wir bei Clara Rosa gesehen haben, auch einfach zusammenfällt). Das ist spalterisch. Jetzt geht’s gar nicht mehr um Ausbeutungsverhältnisse sondern diejenigen die in der Lohnarbeitshierarchie weiter unten stehen sind sauer auf die, die etwas höher stehen, weil die auf sie angeblich herabblicken. Konsequent ist das nicht. Der oben genannte Podcast prangert an dass sich „Mittelklasse“ Leute Arbeiter_innenjobs holen nur damit anzugeben. Erstmal finde ich dieses Szenario reichlich weltfremd. Es widerspricht aber auch den eigenen Annahmen: ENTWEDER wird die Arbeiterklasse runtergemacht und diffamiert ODER ich kann mit einem Arbeiterklasse-Job angeben.

Falsch ist es so oder so. Klar gibt’s eine Hierarchie innerhalb der Ausgebeuteten. Aber das ist doch nicht das Werk derer die etwas mehr verdienen/ Uniabschluss haben (was auch immer). Auch höhergestellte Angestellt arbeiten doch für den Profit des Unternehmens

 

3. Doppeltes lean in

Was die Antiklassist_innnen von der Arbeiterklasse (also was sie drunter verstehen) einfordern ist ziemlich viel. Man will einen fairen Wettbewerb in der Kapitalistischen Konkurrenz der Arbeitskraftanbieter_innen (vulgo: Arbeiterklasse), da muss man sich also schon reinhängen. Aber es gibt ja noch keine Chancengleichheit innerhalb der Lohnsklaven (das stimmt ja wirklich!) Also sollen sie die durch ihren Kampf auch noch herstellen. Wenn das bewerkstelligt ist kann man durch Einsatz auf dem Arbeitsmarkt vielleicht einen der begehrten „erfüllenden“ Berufe kriegen. Falls jemand aus der authentischen Arbeiter_innenklasse mitliest: Klingt für mich nach viel Arbeit und wenig Ertrag. Das habt ihr jetzt schon. Ach so? das wußtet ihr schon? Ok.

Also ich kann von mir sagen dass ein Fairer-Chancen-Kapitalismus für mich nicht so toll klingt da ich Zweifel habe ob ich für die kapitalistische Verwertung allzu brauchbar bin. Chancengleichheit klingt für mich wie eine Drohung.

Was ist das für 1 Ziel? Dass andere unter der Brücke schlafen müssen als die. Die es jetzt müssen? Dass diejenigen die dann betroffen sind es aber wenigstens wirklich verdient haben – was dann auch alle wissen? Grausam ist das.

Übrigens: auch Grausam ist es Leuten zu empfehlen sich anzustrengen um sich in der Konkurrenz durchzusetzen. Denn das ist ja nur die andere Seite der Brücken-Sache.

(1) Es handelt sich hier soweiti ch das verstehe um die Lesung aus einem Buch nicht um Aussagen die von CL selbst stammen. Nur der Vollständigkeit halber.

*In der amtlichen Statistik in Deutschland ist „Miittelschicht“ alles oberhalb der Armutsgrenze. Also auch nicht automatisch so toll, bzw. „priviligiert“.

**Wer das nicht logisch findet soll das nicht mir anlasten sondern denen die sowas verbreiten. Ideologien sind nicht dazu gedacht, sie logisch zuende zu denken, sonst findet man womöglich ihren widerspruch.

Veröffentlicht unter Analyse, Kritik, Soziale Ungleichheit | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Über die bürgerliche Kritik am Aufstieg der „Neuen Rechten“

Die „Liberal-Konservative“ (Selbstbeschreibung) Publizistin Liane Bednarz nutzt die Kritik an der AfD und anderen rechten Bewegungen als Ideologie für die gute alte liebenswerte Bundesrepublik (das ist die These hier) . Gegen diese Rechten Umtriebe sind wir doch irgendwie alle, klingt jedenfalls ganz sympathisch. Schauen wir uns mal ein paar Zitate an:

 

„Als 1989 die lang ersehnte Zeitenwende eintrat und die sozialistischen Diktaturen des Ostblocks zusammenbrachen, schien die Zeit autoritärer Regime in Europa endgültig vorbei zu sein. …. Wenige Jahre später wurden Ungarn, Polen und Tschechien Mitglieder der Europäischen Union und prosperierten auch wirtschaftlich.“

 

Und andere prosperierten so gar nicht. So ist das im kapitalistischen Konkurrenzkampf: es gibt notwendig Verlierer_innen. Auf individueller wie staatlicher Ebene.

 

„Inzwischen hat die Wertschätzung für liberale Staatsformen in Osteuropa rapide abgenommen.“

Bednarz begründet das nicht aber das darf eine_n nicht wundern. Siehe oben. Stichwort: Verlieren. Die liberale Ideologie sagt den Verlierer_innen ja: „Selber schuld du hattest gleiche Chancen. Wenigstens bist du FREI!“ Darauf reinzufallen ist ganz genauso verkehrt wie sich den rechten anzuschließen.

 

Wir lernen dass Orban und andere eine „illiberale Demokratie“ wollen. Dazu Bednarz:

 

„Mit dem aufklärerischen, pluralistischen und Minderheitenrechte schützenden Verständnis von Demokratie ist eine „illiberale Demokratie“ selbstverständlich unvereinbar.“ Und „So warnte bereits John Stuart Mill im Jahr 1859 in seinem Buch On Liberty vor einer „Tyrannei der Mehrheit“ und betonte, dass etwa die Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit unveräußerlich seien und auch nicht durch Mehrheitsbeschlüsse abgeschafft werden könnten.“

Was dieser Mr. Mill irgendwie nicht mitgekriegt hat war, dass solche Rechte ja vom Staat erlassene Rechte gegen die eigene Macht sind. Klingt nicht so vertrauenswürdig? Ist es auch nicht. Wie man an den von Bednarz selbst genannten Beispielen nur zu gut sieht. Was bleibt dann von Mills Ansichten? Eine moralische Bitte an die Obrigkeiten, die Selbstbeschränkungen einzuhalten. Die Empörung wenn Leute merken: „Der Staat handelt ja gar nicht zweckmäßig (höchstens ab und zu zufällig, als Nebenprodukt) in meinem Interesse! Das soll er doch bitte wieder tun!“

Und zum gelobten „Minderheitenschutz“ gehört dazu, dass der Staat da die Minderheiten schützt, die er selber erzeugt hat. Warum gibt’s beispielsweise auf einem Staatsgebiet „ethnische Minderheiten“?  – weil der Staat sein Volk ethnisch definiert.

 

Es geht weiter. Die „Neuen Rechten“ sind keine Nazis, haben aber trotzdem ganz schöne Schweinereien im Gepäck:

„In Äußerungen wie diesen zeigt sich das völkische Element der Bewegung, das auf der Idee des „Ethnopluralismus“ fußt. Was beim ersten Hören nach „Diversity“ und „Multikulti“ klingt, ist in Wahrheit das glatte Gegenteil davon. Denn der „Ethnopluralismus“ zielt darauf ab, dass jedes Volk und jede Rasse – die Szene vermeidet den Begriff „Rasse“ allerdings oft und spricht, weil das harmloser klingt, lieber von „Kultur“ – so homogen wie möglich sein und bleiben soll. Anders als bei Neonazis üblich, werden Herkunftsdeutsche also nicht als überlegen angesehen, aber sie sollen sich möglichst nicht mit anderen „Kulturen“ vermischen. Aus diesem Konzept heraus erklären sich die ausgeprägten Ressentiments der neurechten Kreise gegenüber Flüchtlingen und Migranten.“

Okay Ethnopluralismus, der sagt: die sollen möglichst dort bleiben und wir hier. Das wirklich abstoßend. Jetzt eine Frage: Warum haben Staaten Grenzen? Warum gibt es Einwanderungsgesetze und Asylrecht, die eine kleine Gruppe auserwählen die „reindürfen“ und andere nicht? Rhetorische Frage aber ich gebe die Antwort trotzdem selber: Weil man eigentlich nicht will dass Bevölkerungen verschiedener Staaten sich austauschen. Wo ist der grundlegende Unterschied zum zu Recht gescholtenen „Ethnopluralismus“?  Warum ist es allen in der EU so wichtig „Fluchtursachen zu bekämpfen“? doch wohl weil die „Flüchtlingsströme“ nicht gewollt sind. Und sie sind deshalb nicht gewollt weil der Staat (derjenige den Bednarz so toll findet und verteidigt) sie als Problem ansieht nicht aus Mitleid mit den Geflüchteten (dass das ganz ehrlich bei einigen Staatsvertreter_innen dazukommt will ich nicht bestreiten aber der Grund für staatliches Handeln ist es nicht).

Warum hat das gelobte Einwanderungsgesetz von Kanada so ein Punktesystem? Weil man nicht alle da haben will, nur die nützlichen. Ja da ist ein Unterschied zu Ethnopluralist_innen: Die wollen gar keine Migration. Da sind die westlichen Industrienationen einfach materialistischer: eine gelenkte Auswahl an Immigration ist nötig. Aber der Grundsatz: „Die  dort – wir hier“ ist genau identisch.

 

Keine rhetorische Frage: gibt es denn einen nennenswerten Unterschied zwischen „Ethnopluralismus“ und dem normalen bürgerlichen Staatsbürgerschaftssystem, den ich übersehen habe?

 

Unter der Überschrift »Eigene Rasse« heisst jetzt »Eigene Kultur« erfahren wir was über die Herkunft der Neuen Rechten:

„Bei der Neuen Rechten handelt es sich um ein mehr oder weniger eng verbundenes Netzwerk von Personen, die im Gegensatz zur „Alten Rechten“ nicht an den Nationalsozialismus anknüpfen, sondern an die Ideen der „Konservativen Revolution“ aus der Zwischenkriegszeit. Deren wichtigste Vertreter hießen Carl Schmitt, Edgar Julius Jung (Hauptwerk: Die Herrschaft der Minderwertigen ) und Arthur Moeller van den Bruck (Hauptwerk: Das dritte Reich ). Die Bewegung war dezidiert anti-liberal, anti-pluralistisch, anti-egalitär und völkisch geprägt.“

Kommt uns das bekannt vor?

Anti-egalitär: Klar, die Staatsideologie der BRD und die liberale Ideologie schlechthin wollen immer gleiche Chancen, gleiche Rechte für alle Untertanen im allgemeinen Konkurrenzkampf des Kapitalismus. Dass die gar nicht hergestellt sind geben sie auch meistens zu aber wir sind doch auf einem guten Weg etc. Anti-egalitär ist das alles natürlich insofern als klar ist, dass es Gewinner_innen und Verlierer_innen im Konkurrenzkampf gibt, unweigerlich. Und wenn die Chancengleichheit erstmal voll hergestellt ist kann man mit vollem Recht auf die Verliererinnen zeigen und sagen: Da! Versager! Selber Schuld!

Völkisch geprägt: Sind Demokratien doch immer?

 

Dann geht’s noch weiter um persönliche Verbindungen zwischen ganz Rechts und AfD (sprechen die Inhalte und Äußerungen nicht für sich?), das ist nicht so interessant.  Dann: Verrohung der Sprache. Die „Mitte“ übernimmt jetzt dummerweise den Sprachgebrauch der Rechten.  Dazu kann ich sagen: Stimmt. Aber auch die formal-bürokratische Abschiebepraxis der BRD führt zu – nun ja – Abschiebungen. Gegen die hat aber eine staatstreue Publizistin wie Bednarz wahrscheinlich gar nichts, denn die gehen ja demokratisch-rechtsstaatlich korrekt vor sich und kommen ohne explizit geäußerte rassistische Ideologie und Beschimpfungen aus.

 

Und: Wenn die heilige bürgerliche Mitte diese Sprache übernimmt weil sie einfach zu ihren gar nicht veränderten Ansichten passt?

 

Fazit: Hier kämpfen zwei miteinander die sich ähnlicher sind als sie es zugeben wollen.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Nette Ausländer entdeckt – Rassismus ungültig! Die „Syrer-Retten-NPDler“ Story

 

 

Seit ein paar Tagen geistert die viel gefeierte Meldung rum, dass einige Syrer einen NPD-Politiker aus einem verunfallten Auto gerettet haben. Was will uns das sagen? Erster Gedanke: Du darfst den Syrern nicht böse sein, die wussten ja nicht wen sie da gerettet haben. Aber nein, die Moral geht anders: Dem NPD-Fuzzi sollte jetzt aber wirklich ein für allemal der Rassismus ausgetrieben sein wo doch unwiderlegbar erwiesen ist dass Syrer_innen auch ganz nett, ja richtig edel sein können.  Als wäre das das Problem am Rassismus.  Und das ist so ärgerlich.

Stellen wir uns mal vor nicht syrischer Kriegs- sondern kosovarische Armutsflüchtlinge wären Protagonist_innen der Story gewesen. Hättten Merkelseehofergabriel dann ihre nur Rhetorik gegen diese Leute eingestellt und die Gesetze geändert? Natürlich nicht, denn was man diesen Leuten vorwirft ist ja nicht dass sie nicht nett sein könnten, sondern dass sie DA sind und kein RECHT dazu haben. Das Staatsbürgerschaftsrecht unterscheidet nicht so wahnsinnig vom rechten „Ethnopluralismus“: Grundsätzlich mal sollen Leute in „ihren“ Ländern bleiben. Wenn das nicht geht dann kommen zahlreiche andere Gesetze (zB. Asylrecht) ins spiel die aussieben dass wirklich nur ganz bestimmt Leute rein dürfen (wozu sonst bräuchte man ein Asylrecht wenn nicht um 99% der Weltbevölkerung draußen zu halten?).  Die Rechten  sagen: die gehören nicht hier her, dürfen in ihren „Heimatländern“ aber ruhig genauso stolz auf sich sein wie wir hier. Das ist mehr oder weniger das gleiche. Unterscheidet sich nur im Ausmaß der Ausnahmen sie man beim „reinlassen“ macht.

Man muss überhaupt keine schlechte Meinung von den „Fremden“ (die man dafür hält)  haben um  sie draußen halten zu wollen. Der Vorwurf an diese Leute ist nicht dass sie miese Charaktere haben. Sondern dass sie nicht hier her gehören. Und deshalb geht die Moral der Syrer-retten-NPDler-Story so kilometerweit am Problem vorbei.

Veröffentlicht unter Rassismus, Tagespolitik, Uncategorized | Kommentar hinterlassen

Terrorismusversteher gesucht

Wennw as Schlimmes passiert dann wird interpretiert was das bedeuten soll. Ganz normal. Nu8r dass es üblich ist dass alle allen vorwerfen, zu „instrumentalisieren“ während die eigene Schlussfolgerung sich angeblich von selbst aus der Sache ergibt. Das ist natürlich Quatsch. Das ist jetzt aber auch zu allgemein gesprochen. Schauen wir uns mal ein paar Instrumentalisierungen an.

 

„Terroranschlag. Jetzt sind wir im Krieg!“

 

Ja und Nein

  1. Wenn mit „wir“ gemeint ist, dass alle angehörigen eines Staates im Krieg sind weil der Staat einen Krieg führt: Ja. Das ist aber keine neue Info. Z.B. Frankreich war zum Zeitpunkt der Paris Attacks in ca. 4 Kriege verwickelt.  Andere europäische Staaten auch und das geht schon eine ganze Weile zu. Das weiß auch Francois Hollande. Gemeint ist was anderes. Gemeint ist: „dass wir den anderen in den Garten kacken heißt noch lang nicht dass die in unseren garten kacken können.“
  2. Ich bin nicht im Krieg. Weder hat der IS mich bombardiert, noch ich ihn. Das heißt nicht dass er mir sympathisch ist, das heißt aber auch nicht dass ich ihm den Krieg erkläre – kann ich gar nicht, bin unbewaffnet. Das heißt nur dass Bild und Merkel und Hollande und alle anderen öffentlichen Lautsprecher_innen mich einfach für ihre politische Agenda eingemeinden. Das finde ich gar nicht gut und niemand wird sicherer dadurch dass in Syrien mehr westliche Bomben fallen (schon gar nicht die Leute in Syrien). Das ist für  Syrien haben die Täter von Paris geschrien. Warum sollte das eine Lüge sein? Es gibt keinen Grund zu lügen wenn man offenen Terror ausübt und der eigene Tod schon fest eingeplant ist. Stattdessen wird rumgerätselt was der „wirkliche“ Grund für den Terror ist. Antwort: die wollen ihren gegnerischen Kriegsparteien  Schaden zufügen. Da sie nicht die Gewaltmittel  haben wie in einem herkömmlichen Krieg den Militärapparat des Feindes zu schädigen greifen sie aus ihrer Schwäche heraus zum Terror. Das Prinzip Terror gegen die Zivilbevölkerung des Feindes ist Uralt: man versucht mit relativ einfachen Mitteln die Kosten des Engagements des Gegners in die Höhe zu treiben. Z.B. indem die Bevölkerung irgendwann zu den Herrschenden sagt:  Es reicht. Wir halten es nicht mehr aus. Zieht euch zurück! Deshalb die Umdeutung: „Die greifen uns nur wegen unserer Art zu leben an!“  – Die Auskunft „das ist für Syrien“  wird mehr oder weniger totgeschwiegen. Ab und zu sagen noch „Terrorexperten“ dass die Gefahr eines Anschlags mit militärischem Engagement steigt. Irgend eine Linke hat den Zusammenhang in einer Parlamentsrede hergestellt. Das war dann „unsäglich“ „geschmacklos“ usw.  Das möchte man nicht, das wird tabuisiert. Aber wie gesagt:  Der Logik des Terrors folgen und der Aussagen der Attentäter nach ist dieser Zusammenhang gar nicht unplausibel.

Die erste und Nachhaltigste Instrumentalisierung ist, dass man sich aufgrund der Geschehnisse dem Kollektiv der „westlichen Werte“ anschließen soll. Also ob man da eine Wahl hätte… Die Sache ist nur die: dieses angeblich so einige Kollektiv hat ja so manche Bruchstellen. Wenn Leute beim Kaffeetrinken oder Konzertgehen  ermordet werden, dann ist das ein Anschlag auf „unsere Art zu leben“. Unsere Art zu Leben besteht aber mehrheitlich nicht aus Müßiggang sondern Arbeit und der misslichen Lage arbeitslos zu sein. Da müssen die einen schuften  damit die anderen immer reicher werden. Und nach Feierabend und am Wochenende ist dann hin und wieder mal Zeit für genannten „Lebensarttätigkeiten“ – so man das entsprechende Geld locker machen kann, die feine Lebensart ist ja kein Gratisprodukt für feine freie Bürger_innen des „Westens“ sondern wie Alles – eine Ware produziert zum Zweck, Profit zu machen (und nicht zum Zweck „unsere Art zu leben“ zu befördern).  Wobei man ja meistens auch nicht Kaffee trinkt um eine bestimmte Art Leben zu leben. Sondern um, nunja, Kaffee zu trinken. Damit ist es aber jetzt vorbei. Das wird jetzt anders: wir müssen dieses und jenes tun sonst haben die Terroristen gewonnen. Da kommen Sachen raus, die überbieten jede Satire (ZB. http://www.faz.net/aktuell/pariser-attentate-wir-gehen-weiter-aus-13912605.html). Das Ganze gab‘s z.B. auch in der UdSSR wo jeder Mist den die Leute halt einfach gemacht haben zum Beitrag zur Sowjetmacht umgedeutet wurde: Schachspielen, Debattierrunden, Scheissarbeit verrichten, Müll von der Straße Fegen und weiß ich noch was. Im Grunde ist diese Umdeutung ja wirklich saublöd und exakt so lächerlich wie sie scheint. Aber sie gewinnt  wohl Plausibilität.

Wahrscheinlich gibt’s schon für die Formulierung „Logik des Terrors“ was auf den Deckel. Die unangenehmen Sachen möchte man immer gern ins Reich der völligen Irrationalität abdrängen und jeder Erklärungsversuch wird dann sehr leicht des Sympathisantentums verdächtigt.  Daher so Kampfbegriffe wie „Terroristebversteher_in, Russlandversteher_in,, Islamversteher_in usw. ironisch daran ist, dass das von Leuten kommt die in irgend einer Form „westliche Vernunft“ predigen. Und „Verstehen“  oder auch „Erklären“ ist doch die höchste Form der Vernunftanwendung. Aber um die Vernunft anzuwenden darf man sich halt nicht den politischen Agenden der einen oder anderen unterwerfen. Wozu auch – damit ist für die allermeisten nichts zu gewinnen.

 

 

 

Veröffentlicht unter Analyse, Tagespolitik | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Du musst rechts Wählen

Weil die cdu nach links gerückt ist sind die rechten stark geworden. Wer cdu wählt hilft also den rechten. Wer links wählt macht die Bürger fuchsteufelswild und treibt sie in die Armen der rechten Bauernfänger. Wer links wählt wählt also rechts. Und wer rechts wählt, wählt eh rechts. Wer gar nicht wählt stärkt bekanntlich die rechten. Das muss stimmen, das hab ich in der Schule gelernt.

 

Also:

 

Wer existiert hilft den Rechten.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Kommentar hinterlassen