Die Sprache des Sounds

Wenn man sich mit der Beschaffenheit von Klängen befasst stößt man auf das Phänomen, dass es wenige Wörter gibt die eigens aus dem Feld stammen. Das Meiste sind Metaphern oder Umschreibungen die aus anderen Bereichen entstammen.

Ich komme zu dem Phänomen über die Arbeit mit Musik und den Klangerzeugern die man dazu benutzt. Diese können sehr komplex sein und extrem viele Einflussfaktoren haben. Z.B. die eigentliche Klangquelle (Instrument) -> Effektgeräte -> Verstärker -> Lautsprecher -> akkustische eigenschaften des Raums. Wenn man sich mit Musiker_innen unterhält oder Kataloge von Musikhändler_innen anschaut stößt man immer wieder auf den Versuch den Klang zu beschreiben. Das ist eine Notwendigkeit angesichts der Vielfalt von Instrumenten und Zubehör- gäbe es nur 1 Gitarrenmodell wäre allen die es kennen klar, wie das klingt. So aber braucht man Beschreibungen in sprachlicher Form. Die beziehung von Wörtern zu dem was sie bezeichnen ist aber immer willkürlich: Das Wort Tisch ist kein Tisch und hat auch nichts weiter mit einem Tisch zu tun als allgemein die Vorstellung von Tischen zu bezeichnen.

 

Schauen wir uns mal einige Wörter an. Ich versuche eine vorläufige Sotierung.

Noch eine Anmerkung: Es geht mir um die Beschreibung der eigenschaften einzelner Klänge. d.h. Dinge, die sich auf Rhythmik, Harmonik, also Spielpraxis beziehen, kommen nicht vor (z.B. „schnell“, „melancholisch“ usw.)

 

generische Begriffe der Klangbeschreibung

gibt es, aber nicht viele: laut, leise, scheppernd,

 

visuelle Metaphern: sind häufig, der sehsinn ist gegenwärtig der höhstangesehenste:

hell, dunkel, grell, schrill, düster, weißes rauschen, braunes Rauschen,

schimmernd: bezieht sich meist auf ein oszillieren des klangs. vibrato- und tremoloeffekte werden so beschrieben.

 

Assoziationen mit klangerzeugenden Tätigkeiten:

Verzerrungen werden oft als sägend, kreischend beschrieben. dabei ist die frage ob das geräusch selbst sägt (an den nerven?) oder wirklich das geräusch das beim Sägen entsteht gemeint ist.

„metallisch“ kann ich nicht eindeutig einordnen. das klopfen zweier metallteile aneinander ist wahrscheinlich ursprung. also ist es keine metapher. (Heavy Metal!)

blechern: deutet auf die Materialeigenschaft des Klangerzeugers hin, der bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden

mit „Industrial“ gibt es hier ein ganzes Genre: Sounds die an Maschinen erinnern. aber auch Takte mit maschinenhafter Monotonie usw.

„Rumpelbass“ (bezieht sich evtl. weniger auf den klang als auf die Spielweise, gehört als vielleicht nicht hier her)

„glockig“: damit sind helle klänge gemeint obwohl Glocken sehr wohl auch dumpf klingen können

 

Assoziationen mit nicht-klangerzeugenden Tätigkeiten:

Schneidend: ähnliche Assoziation wie sägend aber schneiden ist eigentlich eine stille Tätigkeit. das leise Geräusch, das beim Schneiden eines Blatt Papiers entsteht ist damit sicher nicht gemeint.

rauchig: irgendwie stellt man sich vor dass eine Stimme vom Rauchen so wurde. aber das Rauchen selber ist relativ still

 

Raumbezogene Metaphern:

Fett, wuchtig, breit, breitwandig, gewaltig: hier ist meist eine mischung aus hoher laustärke und breitem frequenzspektrum des Klanges gemeint. Anfängerfehler: nur „fette“ sounds verwenden. klingt gut, lässt aber wenig Raum (!) zur Songentwicklung

dünn, schwer, leicht, massiv, hohl, dicht.

rund: habe ich schon öfter gelesen kann aber nichts damit anfangen. runder klang? keine Vorstellung. Gibt’s „eckigen“ Sound?

 

Lautmalereien:

für den klang einer telecaster gitarre hat sich „twang“ eingebürgert. ein heller, dünner sound, wie man ihn aus tausenden countrysongs kennt.

Wummernd

 

Sonstige Metaphern:

billig, edel: assoziation mit dem preis des instruments oder auch dem ambiente in dem die musik gespielt wird.

elegisch: z.b. irgendwelche synthesizer-pads, die für sich genommen sehr aspektreich im klangverhalten sind und meist mit viel hall daher kommen.

lieb(lich), süß(lich): eine Mischung aus hoher Tonlage und oberen Frequenzspektrum (das ist nicht das Selbe!). Pikoloflöten oder so.

elektronisch: Klar, hier ist die Funktionsweise des Klangerzeugers gemeint. Aber längst nicht alle elektronisch erzeugten Klänge werden als elektronisch beschrieben. Es geht also nicht um eine faktische Beschreibung, sondern um ein Klischee

rau, zart, sanft, fragil: Begriff die sich meist auf Körper und deren Bewegungen beziehen. Lose asoziiert mit der Vorstellung der Klangerzeugung: sanfte Klänge werden durch sanfte Spieltechniken erzeugt (kein Plektrum, Anschlag mit wenig Kraft. Also eigentlich mechanische metaphern)

druckvoll (kommt dauernd)

dreckig (bestimmte, abern icht alle arten der verzerrung)

sauber, clean, trocken (unverzerrt oder ganz ohne zusätzliche soundeffekte)

trocken (ohne effekte oder nur ohne hall-effekt)

brachial

kehlig: bezieht sich auf einen ort im körper an dem klang entstehen kann

warm/kalt (extrem häufig)

 

to be continued

 

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Über TheGurkenkaiser

Das wird man ja wohl noch verteufeln dürfen!
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