Erstes Unwort des Jahres 2013: Bruhnsen

Es gibt einen alten Witz, der wie die meisten alten Witze nicht witzig ist, aber eine Sache auf den Punkt bringt:

Roth beschwert sich bei Grühn (1) darüber dass letzterer ihm die ausgeliehene Platte kaputt zurückgegeben habe, Grühn verteidigt sich: „Also erstensmal hab ich mir die Platte niemals ausgeliehen, zweitens hab ich sie dir in vollkommen korrektem Zustand zurückgegeben und drittens war das verdammte Ding schon zerkrazt als du es mir gegeben hast!“

Nach der Facepalmträchtigen Jauch-Talkshow über Sexismus am 27.01.2013 kann man den alten Gag mit Helmut Karasek, Günther Jauch und Wibke Bruhns neu auflegen und zwar wie folgt:
Sexismus? Sexuelle Übergriffe? Also erstens ist das was sie da beschreiben total normal und überhaupt kein Sexismus – sie sind zu empfindlich, zweitens sind sie ja wohl selber schuld wenn sie sich nicht wehren und drittens bringt das doch eh alles nichts weil Männer sind nun mal so und da kann man niemalsnicht was ändern, sie Naivling!

Und das ist Bruhnsen – alte Witze (schlecht) neu auflegen. [Es könnte auch Karaseken oder jauchen heißen aber aus Gründen der Pointe nehm ich mir Bruhns raus.]

Ein kleines ernstes Post Skriptum: Es ist nicht gerecht wenn man sich nur die antifeministische Frau rausgreift zum Bashen. Klar, Bruhns hatte null ahnung, war deplaziert und redete ausnahmslos grotesken Müll. Aber das problem liegt doch schon darin, dass die Jauch¬-Redaktionum jeden Preis eine Kontroverse inszenieren wollte – eine weit verbreitete journalistische Unsitte. Anstatt nur Leute einzuladen die sich auskennen und dann vielleicht ähnliche und vielleicht nur im Detail unterschiedliche Ansichten haben muss man zum Zweck der Kontroverse die hinterletzten Leute aus dem Tal der ahnungslosen einladen die null Ahnung haben („Sexismus? Kenn ich – das ist doch das mit den Arabern!“). Da kommen dann halt Leute zu Wort die einfach falsche Meinungen vertreten auch wenn ihre Argumente noch so verkehrt sind oder – auch das bei Jauch ersichtlich – gar keine Argumente und nur Meinung haben. Die Meinungen von Bruhns, Jauch und Karasek waren im Grunde von jeder Reflexion unbelastetes Allerweltswissen(2). Sexistisches Kackwissen das man wirklich überall lesen oder hören kann, bzw. sogar muß. Warum sowas nochmal in 3facher Ausführung eine Talkshow setzen? Die Antwort auf diese Frage ist sehr einfach: Weil es eine sexistische Welt ist in der wir leben.

(1) Die Namen sind völlig bedeutungslos und sollen auf nichts anspielen
(2) Leute die der Meinung sind, „Wissen“ sei identisch mit „Wahrheit“ haben hier Kommentarverbot. Sexistisches, rassistisches usw. Wissen ist völlig real und wird für völlig wahr gehalten und hat insofern reale Konsequenzen (Wissenssoziologische Umformulierung des Thomas-Theorems http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas-Theorem)

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Das wird man ja wohl noch verteufeln dürfen!
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