Über Bob Marley und Little Marbles (ohne, dass die was miteinander zu tun hätten)

Ich hab mal wieder lust was zu bloggen. Irgendwas ohne großen Tiefgang und ohne Recherche, dazu ist das Blog Zweitgurk ja da. Aber keine Idee. Worüber schreibt man, wenn man kein Thema hat? Musik, denn das geht immer, das ist immer Thema. Also los.

Bob Marley

Heute früh kam mir ein alter Bekannter in den Sinn der mich nun schon mehr als die Hälfte meines Lebens begleitet und ich werde seiner Genialität nicht Müde. Die Rede ist von Bob Marley. Ist ja schon faszinierend, auch etwas erschreckend, welche Entwicklung mein Musikgeschmack nimmt: Das Aktuellste geht heutzutage an mir vorbei, dafür orientier ich mich nach Hinten. Immer weiter. Ich war schon bei Bach angekommen. Aber Klassik hab ich in letzter Zeit wieder eher selten gehört. Bob Marley mochte ich schon mit 14. Allerdiongs ist mein damaliger Einstiegssong einer der wenigen, die ich nicht mehr hören mag, nämlich Buffalo Soldier. Aber den anderen Klassiker, No Woman No Cry mag ich immer noch sehr gern. Das liegt vielleicht daran, dass man an ihm so viele Nuancen und Spielereien entdecken kann. Diese kleinen Verzierungen der Orgel zum Beispiel. Oder die variierenden Chor-Einsätze. Die bekannteste Aufnahme ist ja eine Live-Version. Hätte man im Studio nicht besser machen können. Die harmonische Struktur ist extrem simpel (es ist diejenige, die Axis of Awesome so fein parodiert haben: C G Am F; oder technischer ausgedrückt: I – V – vi – IV, wenn mich nicht alles täuscht). Ist ja ein großer Irrtum, dass wenige Akkorde simple Musik bedeuten. Das konstante gleiche Grundgerüst ermöglicht ja gerade die vielen Spielereien und Improvisationen.

Kommt erfreulicherweise bei Bob Marley hinzu, dass die Texte nicht immer ganz verständlich sind. Einerseits weil Jamaica-Englisch, andererseits, weil er sich intensiv Mythologien bedient, die ich nur Oberflächlich kenne und die Erfahrungsgemäß auch Hobby-Rasta-Leuten nicht wirklich gut bekannt sind. Der Vorteil ist, man nimmt so Bruchstücke auf und bastelt sich seine eigene Bedeutung, die wahrscheinlich falsch ist aber egal. Es ist Pop, ich mach damit was ich will. Wenn ich spät nachts alleine unterwegs war und mich einsam gefühlt habe, hab ich immer Redemption Song vor mich hingeträllert. Für mich ein absoluter Mutmach-Song. Das Missverstehens-Potenzial dieses Songs bereitet mir seit Jahren konstante Freude. Ich erinnere mich an ein feucht-fröhliches Kneipen-Hopping mit einem erklärten Marley-Fan, der aber eine Groteske Misheard-Lyrics-Geschichte damit verband. Statt „triumphantly“ verstand er immer „try Hanf and leave“. Das soll mal wer überbieten. How long shall they kill our profits! Es folgte stundenlanges Gegröhle in möglichst krassen Patois-Englisch („Old Pirates, Yess they robbei!“) durch die Gassen der Kleinstadt. Fun.
Ich kann diesen Song also als Gag aber auch in seiner Ernsthaftigkeit, die höchstwahrscheinlich gemeint war, hören. Das ist ein gutes Merkmal. Die Version hier steigert das Vergnügen noch ein wenig, weil Johnny Cash, den man nicht unbedingt des Patois verdächtig, so herrlich „robbei“ singt, gleich am Anfang (sicher, irgendwie eine kulturelle Aneignung einer Minorisierten-Ausdrucksform durch eine Majorität, aber das gilt für diesen ganzen Text hier auch):

Have no fear for atomic Energy? WTF? Das haben wir jetzt mal überhört.

Little Marbles

Gut, eigentlich wollt ich noch über andere schreiben, aber hab mich bei BM festgequatsch. Strummer, Cash – lauter tote Männer. Dann vielleicht zu lebenden Frauen. Via , deren Fan ich bin, ich oute mich mal, habe ich von diesem kleinen Meisterwerk Notiz genommen:

Soweit ich weiß, sind das Schwedinnen, der induktive Schluss, die Sprache die da gesungen wird, sei schwedisch, ist also einigermaßen sicher.
Von der harmonischen Struktur her ist das noch ein bisschen simpler als No Woman No cry. Soweit ich das im Video sehen kann, spielen die immer C – F,  wenn die Instrumente normal gestimmt sind (Also technisch gesprochen: I- IV) auf akustischen Gitarren. Streng genommen ist der zweite Akkord ein Fmaj9 (So hier), was spieltechnisch den Vorteil hat, dass man kleinen und ringfinger immer auf den selben saiten lassen kann und nur Mittel- und Zeigefinger hin- und hersetzen muss ohne die Formation zu ändern. Berühmtestes Beispiel und deshalb so beliebt bei Amateurinnen der Gitarre, ich möchte fast sagen, nervtötend beliebt bei Amaterinnen der Gitarre: Wonderwall. Durchgehen mit d und g in den beiden hohen Saiten. Aber ich will mich ja gar nicht so sehr in technischen Details verlieren. Was, glaube ich, die Pointe dieses Songs ist – mal abgesehen von der, die im Text liegen könnte, den ich natürlich nicht verstehe, ist dieses simple aber überzeugende Bassriff im Chorus („Who is she Lou?“). Simpel: vom Grundton f rauf zum c: c d e f. Und wieder runter mit einem kleinen umweg: f e d e c. Das setzt mit dem Chorus ein klingt dann noch zweimal nach, wenn der Text des Chorus schon fertig gesungen ist. Der beste Moment des Stücks. Irgendwie – „erhebend“. Ich meine die Stelle 0:49 bis 0:54.
Natürlich hats das schon gegeben (Ähnlich aber völlig anders: Violent Femmes. Das hab ich schon lang nicht mehr gehört. Ah! Übrigens hab ich am Samstag gelernt, dass es in der Juristerei die größtmögliche Herabsetzung ist, wenn man jemanden zitiert mit dem zusatz „anders bei“.) Aber das ist ja das Interessante an Musik. Die Grundformen sind im Pop immer fast gleich. Aber die Modulationen sind immer wieder neu. Das ist eine faszinierende Entdeckung. Ich hab das als junger Amateurmusiker nie verstanden. Man lernt ja auf der Gitarre zuerst die einfachen Akkorde zu spielen. Die immer wieder kommen. Viele denken dann: Die Akkorde sind der Song. Aber das stimmt überhaupt nicht! Es gibt ja allein bei Bob Dylan dutzende Songs die von der harmonischen Struktur her identisch sind aber völlig unterschiedlich klingen (so wie er Songs hat, die von der harmonischen Struktur verschieden sind aber gleich klingen). Aber zu Bob Dylan komm ich vielleicht ein Andermal.

Coda:
Bob Marley in 8 Bit – das war es was mir heute früh so viel Freude bereitet hat:

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Über TheGurkenkaiser

Das wird man ja wohl noch verteufeln dürfen!
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