Die Zeit, das Alter und der Tod.

Das letzte Mal dass ich die Familie gesehen habe ist mindestens 3 oder 4 Jahre her. Aber die Zeitwahrnehmung täuscht, wie ich feststellen muss. Im Februar  traf ich eine Freundin die die Familie, vor allem den Vater gut kannte.  Sie erzählte mir, dass es ein einjähriges Gedenktreffen gab. Ich war verwirrt. Das einjährige Treffen müsse ja selbst nun selbst schon ein Jahr her sein, weil die Katastrophe nun zwei Jahre her gewesen sein muss. Nein, sagte sie, das wäre am Gedenktag genau ein Jahr her gewesen. Das war im Januar 2011. Also war die Katastrophe im Januar 2010.

Nun ja, das stimmt. Warum kommt es mir so lange her vor?

Ich frage mich, ob ich die Zeitung noch habe, deren Titelblatt die Katastrophe zum Thema hatte. Irgendwas hält mich davon zurück, danach zu suchen.

Ich kannte ihn, den Vater, seit ich ein Kind war. Ich bin in einer ziemlich komplexen Mischung  aus Privatwohnung und Taxizentrale großgeworden. Die Übergänge zwischen privat und geschäftlich aber auch zwischen verwandt und bekannt waren fließend. Er, Peter, stand mir nie so nahe, er kam relativ spät dazu. Später lernte ich noch den Rest der Familie ein wenig kennen.  Sie machten oft zu Silvester sehr große Feiern in dem Haus, und viele interessante und sympathische Leute waren da. Die Musik war auch gut. Bevorzugt wurde Bob Dylan und Van Morrisson gespielt glaub ich. Ich war einige Male da. Ich habe gelesen, dass die Felsformation über dem Haus Zehntausend (oder Hunderttausen oder eine Million) Jahre so gestanden haben soll, wie sie stand, bevor sie auf das Haus fiel und zwei seiner vier Bewohner tötete. Ich war vor 3 oder 4 Jahren dort. In den letzten Jahren war ich dann nicht mehr dort. Erdgeschichtlich bin ich selbst der Katastrophe quasi nur um Millisekunden entgangen. Vielleicht erklärt das ein wenig, dass die Erinnerung, ob es nun ein oder zwei Jahre her ist, so verschwimmt.

Vorgestern war ich zum ersten Mal an der bewußten Stelle. Dort ist nur noch ein leeres Feld mit Steinen und es ist ruhig. Es gibt leider nichts, was an die getöteten erinnert. Außer der Erinnerung derjenigen, die sich erinnern. Man muss nicht eng befreundet sein um von der Tragik eines solchen Unglücks mitgenommen zu werden. Natürlich passieren ständig schlimme Dinge, ohne das man auch nur davon erfahren würde. Aber mit dem Älterwerden macht man gewisse Erfahrungen. Ich würde es als Näherrücken von ehemals Fernem, als Konkretisierung des ehemals Abstrakten charakterisieren.  Drogengeschichten kennt man aus pädagogischen Schulbüchern in der 7. Klasse. Ein paar Jahre später hat man selbst Freunde die auf Heroin sind. Genauso kommen dann mal Selbstmorde im weiteren oder auch näheren Umfeld vor. Oder eben der Tod von Menschen die man irgendwie kennt. Man übt es irgendwie ein in kleinen Schritten. Wer früh den Tod eines nahen verwandten/ einer nahen Verwandten erlebt wird sozusagen ins kalte Wassergeworfen. Ich bin keiner von diesen. Wir eher behütet aufgewachsenen lernen den Tod und seine Gefolgsleute im langsamen Schritten kennen. Sie kommen immer näher. Wir wissen, dass irgendwann auch unsere liebsten Menschen sterben werden und dann wir selber. Bis es so weit ist haben wir das aber schon einigermaßen eingeübt. Das ist die Wirkung solcher Ereignisse. Einen Sinn kann ich darin aber nicht erkennen.

http://www.youtube.com/watch?v=pOkIadp3cno

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Über TheGurkenkaiser

Das wird man ja wohl noch verteufeln dürfen!
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