Maltistische Weldingscheiße

Zu dieser Sache ist das Wesentliche von Nadia und Antje Schrupp gesagt worden. Ich versuche nur Weldings Äußerungen in einen größeren Kontext zu stellen wie marginalisierte Diskurse unterdrückt werden.

Malte Welding weiß, wie man’s richtig macht und gibt sein Wissen gerne großzügig weiter. Dass er es weiß lässt er gerne mithilfe eines Nebensatzes durchblicken aus dem hervorgeht dass er mit dem Bloggen inzwischen Kohle macht. Wow. Ich kenn ihn ja nicht aber mein Verdacht ist, dass er ein Typ ist, der sich selbst gern beim Wichtigsein zuschaut, kein Einzelschicksal im Internet, zugegeben. Also wäre das alles gar nicht der Rede wert, ja, das Aufbauschen einer solchen Nebensächlichkeit an sich ist ja schon der Beweis dafür, dass Welding halt ganz liberalel Sexismus- und Rassismusverharmloser oder mindestens ein Concern Troll ist. Leider sehe ich diesen Blogpost als Teil eines größeren reaktionären Diskurses.

Es ist ein Falle.

Aber der Reihe nach:  Konkret findet er den Begriff „sexistische/rassistische] „Kackscheisse“ daneben weil. Ja warum eigentlich? Die Begründung ist funktionalistisch: sinngemäß: das überzeugt Leute nicht, holt sie nicht ins Boot [ergänze: …nicht so gut wie er, malte w. das kann, der bekanntlich mit dem bloggen sogar geld verdient!] Und schlauer ist Malte – seines Zeichens Autor des Buches „versiebt, verkackt [tja], verheiratet“ auch, lässt er durchblicken denn:

„Für jedes hingerotzte “sexistische Kackscheiße” stirbt ein Gedanke.“

Und da die Wendung bei Feministinnen „inflationär“ (so einer seiner Fans in den Kommentaren) vorkommt gewinnt Malte wohl den Gedanksvergleich.

Nun hat Helga in einem Facebookkommentar nachgewiesen, dass der Begriff auf den großen feministischen Webseiten wie Mädchenmannschaft gar nicht so oft vorkommt. Wieso bauscht Welding das nun so auf? Weil er halt mal gegen Feministinnen ranten will, klar (Das muß diese “dichterische Freiheit” sein, auf die Journalist_innen so großen Wert legen).  Die Sache ist aber noch tendenziöser. Denn natürlich hört man gelegentlich den Begriff Kackscheisse. Aber es gibt eben auch die ganzen racism und feminism-101s, es gibt ausführliche Blogbeiträge inkl. ausschweifender und präziser Diskussionen usw.. Aber Welding findet: Da steht Kackscheisse, da ist alles andere entwertet. Sofern er das andere überhaupt wahrnimmt, erwähnen tut er es jedenfalls nicht. Seine Tendenz ist klar.

Dennoch gibt sich Welding eigentlich ganz reflektiert und pro-feministisch und antirassistisch, gibt den Mädels und Antiras aber Tipps wie sie sich marktkonformer ausdrücken können. Das erinnert ein wenig an den größten Antirassismus-Fail der Popgeschichte: Die Band Clawfinger wollte in ihrem bekanntesten Song Schwarzen den Begriff N… verbieten und hat ihn dabei noch endlos selbst wiederholt. Weiße-Männer-Besserwissen UND gleichzeitig den Kämpfern die Kampfbegriffe wegnehmen. #Megafail.

Bisschen platt gekontert:

Malte Welding will die grausame Wahrheit durch seine POLITISCH KORREKTE SPRACHE überdecken.

[Kähähä. Wollte schon immer mal so nach mitte/rechts-tendierenden Typen „politische Korrektheit“ vorwerfen. Egal, aber noch anders:]

Worin besteht nun die Falle über die ich eingangs gesprochen hab? Ich habe diesen Verdacht schon vor längerer Zeit mal in einem Tweet zusammengefasst:

Denn das kann man in letzter Zeit ganz gut beobachten von Antifeminist_innen/Liberalen/ Concerntrolls und sonstigen in der Mitte sich wähnenden Fraktion. Drückt man sich präzise und informiert aus, kommt jemand wie Julia Seeliger und sagt, ihr seid zu akademisch. Sagt mans direkt, wird einem vorgeworfen, dass man so die Leute nicht mitnimmt. Sagt man‘s sanft ist es eben Gutmenschenscheiß usw. Es ist eine Falle. Suppenhaarsucher_innen gonna Suppenhaarsuch. „Falle“ nicht im Sinne einer Verschwörung von den Leuten die sich ganz bewusst absprechen. Aber es sind diskursive Abwehrstrategien, die sich im Nebensächlichen was rauspicken, so dass die Diskussion um die Sache verhindert wird.

Kann schon sein, dass Malte Welding der Begriff nicht gefällt. Aber wenn er sich tatsächlich als Pro-Feminist verstünde hätte er, anstatt so eine Strohmann aufzustellen und mit Karacho niederzureißen, seine Abneigung einfach mal runtergeschluckt und den Mund gehalten. Das kann man nämlich durchaus auch mal machen.

Über TheGurkenkaiser

Das wird man ja wohl noch verteufeln dürfen!
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26 Antworten zu Maltistische Weldingscheiße

  1. sanczny schreibt:

    Volle Zustimmung. Mir ist gestern zum ersten Mal der Begriff “Feminist Dissenters” begegnet, als Selbstbezeichnung von (liberalen, konservativen) Leuten, die Antifeminismus vertreten und sich dreist als feministisch bezeichnen, damit ihre sinnfreien Einwürfe nach innerfeministischer Kritik aussehen. Da fühlte ich mich bei Weldings Text ein wenig dran erinnert.

  2. Pingback: approvokativ « yetzt

  3. Pingback: Sexistische Kackscheiße klingt nicht nett genug « Rummotzen

  4. ramblingbrother schreibt:

    Manoman, da hab ich ja wieder etwas dazugelernt. Dass ich als Feminist, aus der liberalen oder konservativen Ecke kommend, eigentlich gar keiner sein dürfte. Irgendetwas hab ich da wohl falsch gemacht. Mir wird auch langsam klar, was ich falsch gemacht habe: Ich liege nicht in den antagonisierenden Schützengräben der Definitionshochheit korrekter Sprachwahl in der Genderdebatte. Blame me. Lustig aber finde ich es allemal, wie ein Pamphletchen dieses Malte durch die Mühle unterstellter Profilisierungssucht gedreht wird. Chapeau.

    • TheGurkenkaiser schreibt:

      gut, biste halt liberalkonservativer “feminist”. und nun? ein nicht-antikapitalistischer feminismus – wenn man das dann so nennen will – wohin soll der führen außer zu moralischen aufforderungen oder zu aufforderungen an “die Frauen” sich jetztmal mehr reinzuhängen etc. in dem sinne ist kristina schröder auch ne tolle feministin. du bist hier auf dem blog eines streng antikapitslistischen sozialisten. fyi.

      • ramblingbrother schreibt:

        Du bist keine Frau, nee …. *g Also sag du mir bitte nicht, wo es denn bei mir feministisch langzugehen hat.
        Im Übrigen bin ich politisch eher links orientiert. Nicht jedes ICH, welches ich verwende, meint auch MICH. Da du von Ironie aber offensichtlich wenig verstehst, verzeihe ich einfach mal deine angriffslustige Attitüde in deinem Repost. Ich finde es einfach nur arrogant und peinlich, diese Art von definitorischer Ausgrenzung vorzunehmen. Schützengraben halt, aber schön, dass du in die Falle getappt bist. Im Übrigen danke, dass du den erstbesten Beitrag auf meinem Blog gelesen hast, der ausgerechnet den Begriff Feminismus im Titel führt. Schelm, du *g

      • TheGurkenkaiser schreibt:

        arrogant, peinlich und kein sinn für ironie. kann es sein dass du mich mit einem stadtbekannten malte verwechselst?

    • TheGurkenkaiser schreibt:

      und hier mal eine kostprobe deines tollen liberalen konservativen “feminismus”, vom erstbesten Eintrag auf deinem blog:

      “Der Fussball als Theater, in dem sogar das Gelingen der Frauenemanzipation augenfällig ist. Immerhin ist der Frauenanteil der Besucher in den Stadien auf fast 40 Prozent gestiegen. Hier wird die Frauenquote tatsächlich gelebt. Böse Zungen behaupten freilich, dass genau diese Entwicklung nichts anderes zeigt, als dass die Frau noch keine emanzipatorische Reife zeigt, wenn sie sich in das männliche Krakeelen, den Besinnungslosigkeiten des Jubilierens, den emotionsgesteuerten Tsunamis von Wut und Euphorie nahtlos eingliedert.
      Als Mann, der den Fussball leidenschaftlich liebt und lebt, sollte ich mich des Themas Emanzipation feige enthalten. Als Träger des Hormons Testosteron wird mir kein unverfänglicher und sachlicher Blick darauf je möglich sein. Da hoffe ich auf die Frauen selbst, die mir zeigen, wo es wirklich lang geht.”
      (http://ramblingbrother.blogspot.co.at/2012/06/fussball-und-emanzipation.html)

      ahhhh ja.

  5. Pingback: Malte Welding, Du schreibst herrliche Kackscheiße | Kotzendes Einhorn

  6. BasementBoi schreibt:

    ” Malte Welding weiß, wie man’s richtig
    macht und gibt sein Wissen gerne
    großzügig weiter. Dass er es weiß lässt
    er gerne mithilfe eines Nebensatzes
    durchblicken aus dem hervorgeht dass
    er mit dem Bloggen inzwischen Kohle
    macht.”

    Du scheinst ein persönliches Problem mit Welding zu haben.

    • TheGurkenkaiser schreibt:

      mein gott, das bisschen ad hominem. du scheinst ein problem mit ironie zu haben.

    • ramblingbrother schreibt:

      Ach was, des Kaisers Gurke oder der Kaiser der Gurken (argumentum at hominem, aber nur ein bißchen) hat nur einen verkappten blanken Horres davor, dass sich Blogger Geld verdienen, und er sich in seinem sozialistischen, antikapitalistischen Schützengraben das moralisch nicht erlauben darf.
      Soziolinguistisch betrachtet ist sein Sermon aber eine Fundgrube für kreidefressende Wut und die Spielarten maskulistischer Herablassung, wenn man den Gegner nicht anders zu fassen kriegt. So viel Gurkenkaiserscheisse kommt gottlob in der Gender Debatte dann doch eher selten vor.

      • TheGurkenkaiser schreibt:

        das wird mir jetzt zu wirr, aber das lass ich stehen zu unterhaltungszwecken.

      • ramblingbrother schreibt:

        @Sanczny: Sorry, dass ich jetzt vielleicht dein Vertrauen in Gurkenkaisers vorgeblichen Antisexismus untergraben habe. So wie er versucht den Malte durch die Heißmangel seiner Wut zu jagen, kommt er mir eher wie ein Maskulinist rüber, da verhält er sich “sexistisch” , auch wenn das Geschlecht, gegen das sich das alles richtet, sein eigenes ist *g “Das wird mir jetzt alles zu wirr, ich lass das mal so stehen, zu Unterhaltungszwecken”, dieses Zitat erinnert mich tatsächlich an die Rabulistik eines Sexisten, der in einer wegwischenden Handbewegung einer jungen Dame erklären will, was er intellektuell von ihr hält. So what, lieber Sanczny, du wirst es überleben.

      • sanczny schreibt:

        Sag mal @ramblingbrother, sind dir da irgendwie die Fremdwörter durcheinander geraten, oder glaubst du wirklich, männliche Antisexisten nennt man Maskulist?

      • Samia schreibt:

        @ramblingbrother Sprich nicht einfach Leute als Männer* an, deren Gender du nicht kennst.
        @TheGurkenkaiser Könntest du die antisemitische “Rabulistik” wegeditieren?

      • TheGurkenkaiser schreibt:

        antisemitisch, wo?

      • TheGurkenkaiser schreibt:

        es gibt tatsächlich einen starken bezug zwischen der verwendung des wortes rabulistisch und josef goebbels’ Propagandareden. ich lösch das aber nicht. soll jede_r sein_ihre eigenen schlüsse ziehen was ramblingdingens für eins ist. ich halte ihn für einen übermotivierten philosophiestudenten im 2. semester der alles zu wissen glaubt und sich für besonders schlau hält. ansonsten sperr ich den jetzt weil er mir zu langweilig wird.

      • Samia schreibt:

        Na der Begriff selber, “Rabulistik” halt.

      • Samia schreibt:

        Eklige Typen die zwinkern sind eklig. Ich scheiß auf dein Latein, paar Wörter können sich Deutsche einfach sparen, weil: Nazis. Das Gendern bezog sich auf Sanczny.

        [Bezieht sich auf einen gelöschten kommentar. TheGurk]

  7. Sammelmappe schreibt:

    Suppenhaarsucher_innen merke ich mir. Auch so ein Begriff, den ich ab und an brauche.

  8. Pingback: Sammelmappe » Blog Archive » Ich traue mich nicht

  9. Samia schreibt:

    omfg @ Clawfinger. Ich kannte das nicht. Scheiße. 

    ein nicht-antikapitalistischer feminismus – wenn man das dann so nennen will – wohin soll der führen [...]

    Bin ich voll bei dir, aber dir is schon klar, dass du damit den Mainstream angreifst und nich nur ein paar komische “feminist dissenters”, ne?
    Props für den Titel.

  10. Pingback: Wären Sie bitte so freundlich, Herr Welding? » takeover.beta

  11. Pingback: Links (4) Boys’ Club Edition « sanczny

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